Baum des Jahres 2010  Vogelkirsche (Prunus avium Linné)

 

 

Dieses Jahr wurde die  Vogelkirsche, im Volksmund auch Wild-, Hafer- oder Holzkirsche genannt, zum Baum des Jahres erkoren.

Die lateinische Bezeichnung ’avium’ ist abgeleitet vom lateinischen Wort avis = Vogel.

Die Gattung Prunus aus der Familie der Rosengewächse ist fossil bereits im Erdzeitalter ’Oligozän’ vor ca. 65 Millionen Jahren

nachgewiesen, bei uns in Mitteleuropa aber erst seit den Römern bekannt und kultiviert.

 

Für die Vermehrung der Kirschbäume sorgen hauptsächlich die Vögel, die sich an den reifen Früchten gütlich tun.

 Aber auch Fuchs, Dachs, Marder und Wildschweine sorgen mit ihrem Kot für eine weite Verbreitung der Kirschsteine.

Die Wildkirsche kommt in zwei verschiedenen Wuchsformen vor.

Im freien Gelände entwickelt der Baum einen eher kurzen Stamm mit einer

mächtigen Krone,  in der Waldgemeinschaft einen geraden Stamm mit eher kleiner Krone.

So oder so ist die Wildkirsche auf den ersten Blick kein Baum der Rekorde.

Er wird höchsten 20-25 m hoch, 50-60 cm stark und meistens nicht älter als 80-90 Jahre.

 

Die Kirschbäume sind anfällig für Verletzungen aller Art.

Besonders markant ist dieser Blitzeinschlag in eine Wildkirsche auf dem Tössdamm, Nähe Kläranlage Pfungen.

Die verursachte Verletzung ist so stark, dass diese vom Baum nicht verkraftet werden kann,

es beginnt die Zersetzung und in wenigen Jahren werden wir nur noch den Stamm mit wenigen starken Ästen sehen.

Aber auch im Absterben bietet dieser Baum noch vielfältigen Lebensraum für eine grosse Zahl von Bakterien,

Käfern, Raupen, Würmern und  Vögeln.

 

Unsere Tafelkirsche basiert vorwiegend auf der Wildkirsche.

Im Leben eines Kirschbaumes entstehen Millionen von Blüten, die wiederum tausenden von Insekten Nahrung bieten.

Tausende von Honigbienen sorgen während der Blütezeit für die unverwechselbare Musik,

die der aufmerksame Beobachter beim verweilen unter dem Kirschbaum hören kann.

In der Blütezeit ist der Baum also eine Bienenweide und in der Reife eine Vogelweide.

 

Unser OV-Kirschbaum wurde vor ca. 20 Jahren im unteren Teil der Tössallmend gepflanzt und seit ca. 10 Jahren

erfreuen sich Mensch und Tier  an den süssen Früchten.

Das Holz ist äusserst begehrt, hart, feinfasrig, rötlich bis goldbraun gefärbt und bestens polier bar.

Weltberühmte Bibliotheken sind zum Beispiel aus Kirschholz gefertigt.

 

In der Naturheilkunde finden die Früchte, der Saft und die im Schatten getrockneten Fruchtstiele innerliche Anwendung.

Sie enthalten Gerbstoff, organische Säuren, Enzyme, Zucker, das Provitamin A und wirken erfrischend, abführend,

harntreibend  und sind bei fieberhaften Erkrankungen sehr wohltuend.

 

   Hansueli+Phillip Fankhauser